Im Blick Rheinberg, Köln, Bonn & Leverkusen

Die Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie prägten das Reisejahr 2020. Nur noch 37 Prozent der Bundesbürger – und damit rund 40 Prozent weniger als noch 2019 – sind 2020 wenigstens 5 Tage verreist. In der modernen Geschichte des Reisens hat es einen solchen Einbruch noch nicht gegeben, selbst zu Zeiten der Golfkriege, der Terroranschläge am 11. September oder der Wirtschafts- und Finanzkrise verreiste stets die Mehrheit der Bundesbürger. Das Reiseziel Nr.1 der Deutschen war überraschend Österreich (Bild). Zum erstenmal seit über 50 Jahren. Spanien war der Verlierer.


Überraschend:  Österreich war das beliebteste Reiseziel 2020

Nur jeder dritte Bundesbürger war 2020 unterwegs  -  50 % haben das Reisen nicht vermisst

Zu diesen Kernergebnissen kommt die 37. Deutsche Tourismusanalyse der BAT- STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN, für die ein repräsentativer Quer-schnitt der deutschen Bevölkerung von über 3.000 Personen ab 18 Jahren zum eigenen Reiseverhalten im Jahr 2020 sowie den Urlaubsabsichten für 2021  im Dezember 2020 und Januar 2021 befragt wurde.


Über die Hälfte aller Urlaubsreisen fand 2020 in Deutschland statt – so viele wie zuletzt in den 1970er Jahren. Allerdings war die Anzahl der Reisenden insgesamt geringer, sodass die Anzahl der Ankünfte in Deutschland in etwa gleichblieb. Be-trachtet man allein die Marktanteile, so wuchs der Anteil an Inlandsreisenden – im Vergleich zum Vorjahr – um über 20 Prozentpunkte auf 56 Prozent. Bayern, Niedersachen und Baden-Württemberg konnten ihre Marktanteile dabei jeweils in etwa verdoppeln.
Neben den traditionellen Ferien-Bundesländern im Norden und Süden des Landes wurden 2020 auch andere Feriengebiete häufig besucht. So verbrachten  doppelt so viele Bundesbürger ihren Haupturlaub in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen wie in der Türkei. In Brandenburg waren mehr Urlauber als in Kroatien und in Hamburg urlaubten genauso viele wie in ganz Frankreich.

Erstmals seit etwa 50 Jahren war Österreich wieder das beliebteste Auslandsrei-seziel der Bundesbürger. Genau wie Anfang der 1970er Jahre folgten Italien und Spanien auf den nächsten Plätzen.

Entgegen dem allgemeinen Trend konnten Skandinavien (Bild links: Schweden), Polen, Österreich, die Benelux-Staaten sowie Griechenland ihren Marktanteil an deutschen Urlaubern erhöhen – wenn auch auf niedrigerem Gesamtniveau. Hauptgründe hierfür waren die relativ kurze Anreise sowie eine – zumindest gefühlt – geringere Unsicherheit.

Nach dem Rekordjahr 2019 folgte für den Fernreisemarkt ein fast schon dramatischer Absturz im Jahr 2020. Lediglich jeder fünfzehnte Urlauber wählte noch eine Feriendestination außerhalb Europas. Urlaubsreisen nach Afrika oder Amerika fanden 2020 fast überhaupt nicht statt. So sank z.B. der Anteil deutscher Urlauber, die in die USA und Kanada, nach Ägypten und Tunesien reisten, um jeweils rund 80 Prozent, und auch die Inselparadiese in der Karibik wurden deutlich seltener angeflogen.


Derzeit ist völlig offen, wann Hotels wieder öffnen, Reisewarnungen aufgehoben und Flugzeuge wieder abheben werden. Dennoch plant bereits jetzt fast die Hälfte der Bundesbürger, dieses Jahr noch zu verreisen. Jeder Fünfte will sogar mehrmals die Koffer packen. Nur ein Drittel ist noch unentschlossen.