Im Blick Rheinberg, Köln, Bonn & Leverkusen

Das Rheinland - hier Bonn - steckt voller großer Geschichten, einige sammeln wir hier ein  ...


Am Airport Köln/Bonn sind Honigbienen seit Jahren
die "süßeste Fluggesellschaft" der Welt

Mit ihrer Sammeleigenschaft wird die Umgebung des Airports auf Luftschadstoffe untersucht


Der Köln Bonn Airport begrüßt eine neue Airline. Diese fliegt ganz ohne Kerosin und Turbinen:  Statt Flugzeugen gehen hier Bienen in die Luft. Als Honig-Connection ist sie eine Bildungsinitia-tive des Kölner Imkervereins von 1882, die sich für Bienenschutz einsetzt. -

Der Flughafen und die Honigbiene ha-ben eine langjährige Verbindung, hat er doch 2004 als einer der ersten deut-schen Airports das Biomonitoring mit Bienenvölkern eingeführt.

Mit Hilfe der Sammeleigenschaft der Biene wird die Umgebung des Airports auf Luftschadstoffe untersucht. Dabei wird die Eigenschaft der Biene als Sammlerin genutzt, um den Nahbereich des Flughafens auf Verunreinigungen zu kontrol-lieren. Die Biene kann während der Sammelflüge Schadstoffe über Luft, Wasser und Pflanzen aufnehmen und in das Innere des Volkes tragen. Proben des Bie-nenhonigs werden regelmäßig im Labor auf Rückstände von Schwermetallen und Kohlenwasserstoffen untersucht. Dabei zeigen die Proben seit jeher keine Auffälligkeiten – der Honig ist uneingeschränkt genusstauglich. Pro Jahr werden 200 bis 300 Gläser Flughafen-Honig produziert und an Gäste verschenkt. Zu den Bienenvölkern des Köln Bonn Airport gehören etwa 200.000 Tiere.


„Wir sind dem Flughafen Köln/Bonn sehr dankbar, dass er sich gemeinsam mit uns für den Insektenschutz einsetzt. Denn das Bienensterben geht uns alle an“, so die Gründerinnen der HonigConnection, Iris Pinkepank und Stephanie Breil. „Wild- und Honigbienen übernehmen im Ökosystem wichtige Funktionen. Ohne sie haben viele Tiere, besonders Vögel, keine Nahrung. Auch die meisten blühen-den Pflanzen sterben aus. Zudem sind Honigbienen wichtige Nutztiere. Durch ihre Bestäubungsleistung sichern sie unsere Versorgung mit Obst und Gemüse“.

 NRW-Umweltministerin Heinen-Esser war jüngst zu Gast am Airport  (Bild links) und hat sich über die tierischen Helfer des Flughafens informiert. Sie sagte: „Das Gelände des Flughafens wurde ab dem ersten Weltkrieg entweder als Truppenü-bungsplatz oder als Flughafen genutzt. Daher wurde die Fläche nie regelmäßig gedüngt. Das Ergebnis dieser Entwicklung sehen wir heute: Auf den Wiesen rund um das Rollfeld blühen seltene Pflanzen, Wildbienen summen, Schmetterlinge fliegen, man könnte sagen: Aus Naturschutzsicht eine positive Ausnahmefläche im Vergleich zur Normallandschaft. Daher freue ich mich besonders, dass sich der Flughafen hier naturkundlich engagiert. Die Arbeit mit Honigbienen bietet sich förmlich an, genauso wie die Arbeit der Falkner, um die Vogelschlaggefahr für den Flugverkehr zu verringern.“


Falkner setzen ihre Beizvögel etwa ein, um bestimmte Vogelarten zu vergrämen, vor allem Ringeltauben. Die Frettchen helfen wiederum bei der Bejagung von Kaninchen, indem sie diese aus ihren Bauten treiben. Die Kaninchen werden im Anschluss lebend gefangen und in anderen Regionen ausgesetzt. Kaninchen spielen indirekt eine große Rolle bei der biologischen Flugsicherheit, weil sie beliebte Beutetiere von Greifvögeln sind.


Damit sich am Flughafen grundsätzlich keine größeren Vögel niederlassen, wird das Gelände für Vogelschwärme von vornherein so unattraktiv wie möglich ge-staltet, etwa durch das Mähen des Grases auf bestimmte Höhen. Stare, die oftmals in größeren Individuenzahlen einfallen, meiden hochstehende Gras-flächen. Mäusebussard, Rotmilan und Turmfalke können so potentielle Beute-tiere wie Mäuse schlechter sehen und jagen. Sie bleiben dem Areal mehr und mehr fern.


Nutznießer der naturnahen Bewirtschaftung der weitläufigen Flughafengrün-flächen sind zahlreiche geschützte Kleinvogelarten, die die Wiesenflächen um das Bahnsystem als Brutareal nutzen. Immer seltener werdende Vogelarten des Offenlandes, wie z.B. Feldlerche, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen brüten erfolgreich auf den Flughafengrünflächen.


„Düsseldorf Natural“ – ein Qualitätshonig mit Prädikat

Bereits seit 2006 sind die fliegenden Biodetektive auch für den Düsseldorfer Flughafen im Einsatz und liefern seitdem jährlich eine Früh- und eine Spättracht. Die Ernte wird stets dop-pelt analysiert. Das unabhängige Fachlabor für Umwelt-analytik OrgaLab in Zirndorf unter-sucht den Airport-Honig namens „Düsseldorf Natural“ auf Schadstoffe wie Schwermetalle und polyzyklische Kohlenwasser-stoffe (PAK). Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucher-schutz und Le-bensmittelqualität in Celle, kurz LAVES, richtet sein Augenmerk hingegen auf die allgemeine Qualität des Honigs. Die jüngsten Ergebnisse bestätigen: Keine Auf-fälligkeiten. Bei dem Flughafenhonig handelt es sich um ein Qualitätsprodukt mit Prädikat. -Zu dem sehr guten Zeugnis beigetragen haben auch die Imker des Kaiserswerther Bienenzuchtvereins: Mit großem Engagement und fundiertem Fachwissen betreuen sie seit Beginn des Projekts die vier Bienenstöcke, die in der Nähe des Flughafentors 18 beheimatet sind.

Das Biomonitoring mit Bienen gibt also Auskunft über die Belastung der gesam-ten Umgebung – nicht nur des Flughafengeländes, sondern auch der umliegen-den Gärten, Wiesen und Äcker. Wichtig: Bei diesem Verfahren lässt sich nicht zwischen einzelnen Emittenten unterscheiden, zumal die Rückstände aus Ver-brennungsmotoren – ob nun von einem Auto oder einem Flugzeug – ohnehin dieselben sind. Das heißt, die Untersuchung des in der Flughafenumgebung gewonnenen Honigs erfasst Schadstoffe unabhängig von ihren Quellen. Der Vorteil einer solchen Honig- und Pollenuntersuchung liegt auf der Hand: Anders als punktuelle Untersuchungen, die sich naturgemäß nur auf relativ kleine, eng begrenzte Areale beziehen können, erlaubt die Untersuchung von Honig und Pollen Rückschlüsse über die Belastung eines großen Gebietes.

Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, welche Pflanzen die Bienen besucht haben. Auf der Suche nach Nahrung fliegen Bienen je nach Futterangebot regel-mäßig eine Fläche von bis zu 30 Quadratkilometern ab, pro Tag unternimmt eine Biene etwa 40 Ausflüge und besucht dabei mehrere tausend Blüten. Bienen nehmen den Nektar einer Blüte mit ihrem Saugrüssel auf und vermischen ihn mit dem Sekret ihrer Kopfspeicheldrüse. Dieses Sekret enthält unter anderem Enzyme, mit deren Hilfe der Nektar in Honig umgewandelt wird. Insofern wirken Bienen als Biofilter und Bioindikator, in dem sich Schadstoffe absetzen und über den Honig evaluiert werden können. Die Menge des jährlich geernteten Honigs liegt kontinuierlich bei 120 bis 130 Kilogramm.